Personalbemessung und Gesundheitsschutz an der Charité ver.di-Tarifkommission stimmt dem neuen Tarifvertrag zu - Testlauf kann starten

Die ver.di-Tarifkommission hat nach Beratung mit ihren Mitgliedern am gestrigen Abend dem Abschluss eines Tarifvertrages zur Personalbemessung und Gesundheitsschutz zugestimmt.

Der Tarifvertrag, der zunächst eine Laufzeit bis Ende dieses Jahres haben wird, stellt für ver.di und die Arbeitgeberseite einen Testlauf dar. Der „TV Kurz“ soll kontinuierlich evaluiert werden, mit dem Ziel, herauszufinden, ob das von den Schlichtern vorgeschlagene Modell für den Dauerbetrieb tauglich ist. Anfang Dezember werden dann die Verhandlungen zwischen ver.di und der Charité wieder aufgenommen. Carsten Becker, Mitglied der Verhandlungskommission und Vorsitzender des Gesamtpersonalrats bei der Charité: „Wir haben etwas geschafft, was uns vor einiger Zeit noch keiner zugetraut hätte. Wir haben den Vorstand des größten Universitätsklinikums dazu gebracht, zuzugeben, dass eine ausreichende Personalbemessung insgesamt notwendig ist und eine kurzfristig spürbare Entlastung insbesondere des Pflege- und Funktionsdienstes, unverzichtbar ist.“

Um die problematische Personalsituation zu entspannen, werden alle Azubis der Pflege sowie die Operationstechnischen Assistent/inn/en (OTA) und Hebammen unbefristet übernommen. Außerdem sollen noch in 2014 – auf die bestehende Personalplanung – 80 Vollkräfte „on top“ eingestellt werden. Die Tarifkommission kritisiert jedoch die ihrer Ansicht nach zu geringe Zahl an Vollkräften, die die Charité bis zum Jahresende einstellen will. Dies sei angesichts der hohen Arbeitsbelastung ein „Tropfen auf den heißen Stein“

Zentrales Element des Tarifvertrages ist jedoch die Bildung einer betrieblichen Gesundheitskommission (GK), in die die Arbeitgeber und ver.di jeweils drei Mitglieder entsenden. Zu ihren Aufgaben gehört, die zusätzlichen Bedarfe zu erfassen und die Verteilung der zusätzlichen 80 Vollkräfte, die im zweiten Halbjahr 2014 über die geplante Personalzahl hinaus eingestellt werden sollen, zu organisieren und zu überwachen. Dafür werden ihr vollumfänglich Informationen zur Verfügung gestellt, wozu z. B. das durchschnittliche Patientenaufkommen, Leasingquote, Fluktuations- und Ausfallquoten, Überstundenentwicklung gehören. „Wir haben mit diesem Tarifvertrag erstmals die Chance, einen detaillierten Einblick in die eher budgetgesteuerte Personaleinsatzplanung eines Krankenhauses zu erhalten und die Probleme, die damit verbunden sind, sichtbar zu machen“, so Meike Jäger, Verhandlungsführerin an der Charité.

Weitere Aufgaben der Gesundheitskommission liegen im Bereich des betrieblichen Gesundheitsschutzes. Die GK kann u. a. Gesundheitszirkel und Gefährdungsanalysen initiieren oder konkrete Modelle für die demografiegerechte Gestaltung der Arbeitsbedingungen erarbeiten. „Aufgrund der „Notrufe“ der letzten Monate kennen wir die Brennpunkte. Wir erwarten nun, dass die Arbeitgeberseite sich anstrengt, die große Zahl an zusätzlichen Einstellungen in den nächsten sechs Monaten umzusetzen“, sagte Meike Jäger.

Bei der Charité arbeiten 13.200 Beschäftigte, davon sind ca. 4.100 im Bereich der Pflege- und Funktionsdienste tätig.

Für Rückfragen:
Meike Jäger, ver.di-Landesfachbereichsleiterin Gesundheit Berlin-Bbg., Tel: 030-88 66 52 50 oder 0170 – 79 49 197 und
Kalle Kunkel, zuständiger ver.di-Gewerkschaftssekretär, Tel: 030 – 8866 5258 oder 0160 – 25 25 906

(C) 2013 ver.di - Fachbereich Gesundheit & Sozialeszuletzt aktualisiert: 23.04.2017