Notdienstvereinbarung mit Betten- und Stationsschließungen


Besonders effektiv sind Streiks mit Hilfe einer Notdienstvereinbarung, die die Krankenhausbetreiber durch die Schließung von Betten und Stationen auch ökonomisch unter Druck setzt. Die Verantwortung wird in diesem Fall umgekehrt: Bei den bislang üblichen Notdienstvereinbarungen muss die gewerkschaftliche Streikleitung dafür Sorge tragen, dass eine ausreichende Mindestbesetzung auf den Stationen vorhanden ist. Bei der neuen Notdienstvereinbarung bekommt hingegen die Krankenhausleitung ausreichend Zeit, eine Gefährdung von Patientinnen und Patienten auszuschließen, indem sie diese aus bestreikten Bereichen verlegt bzw. die dortigen Betten nicht neu besetzt.

Eine solche Vereinbarung ist aber nur mit großem Aufwand durch- und umzusetzen. Schon lange vor Streikbeginn befinden sich die ver.di-Aktiven in der Auseinandersetzung – sowohl nach innen als auch nach außen. Denn die Stilllegung von Betten und Stationen
wird nicht nur dem Arbeitgeber, sondern auch der Öffentlichkeit und den Medien lange im Voraus bekannt gegeben. Dabei stellt die Gewerkschaft klar: Die Notdienstvereinbarung sorgt dafür, dass keine Patientinnen und Patienten zu Schaden Streikende auf einer geschlossenen Station am Campus Virchow-Klinikum kommen. Zugleich garantiert sie das Streikrecht der Pflegekräfte, die sich jeden Tag für die bestmögliche Versorgung ihrer Mitmenschen einsetzen.


TarifberaterInnen


Die Auseinandersetzung um Entlastung und mehr Personal im Krankenhaus ist hart und langwierig. Nur wenn sich viele Kolleginnen und Kollegen dafür engagieren, kann sie erfolgreich sein. Das geht weit über die Teilnahme an Streiks und Aktionen hinaus. Es braucht mehr als einen kleinen Kern von Aktivist/innen, die taktische und strategische Fragen diskutieren und die nächsten Schritte gemeinsam vorbereiten.
Um mehr Kolleginnen und Kollegen einzubeziehen, hat ver.di an der Charité jede Station und jeden Bereich dazu aufgerufen, eine Tarifberaterin oder einen Tarifberater zu benennen. Diese sollen einerseits die Diskussionen und Verhandlungsstände der Tarifauseinandersetzung in ihren Teams kommunizieren. Andererseits sollen sie Meinungen, Vorschläge und Kritik aus ihren Teams bei den Versammlungen der Tarifberater/innen und gegenüber der Tarifkommission einbringen. Auch Beschäftigte, die nicht bei ver.di organisiert sind, können von ihren Teams zu den Tarifberatertreffen delegiert werden. Die meisten von ihnen treten aber im Laufe der Zeit ver.di bei, weil sie sich in der Praxis davon überzeugen, dass die Gewerkschaft es ernst meint und Organisation notwendig ist, um etwas zu verändern.

(C) 2013 ver.di - Fachbereich Gesundheit & Sozialeszuletzt aktualisiert: 27.09.2017